Ungehaltene Reden der Grünen Liste Helsa

 

Rainer Dallmann, 25.04.2013

Aberkennung der Ehrenbürgerrechte für Adolf Hitler

Anmerkung: Durch interfraktionelle Absprache wurde bei diesem Tagesordnungpunkt auf eine Diskussion verzichtet. Entsprechend konnte diese Rede nicht gehalten werden.

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrter Herr Vorsitzender,

vor einigen Wochen erfuhren wir, dass die düstere Vergangenheit des Nationalsozialismus in Helsa keineswegs abgeschlossen ist. Der Geschichtsverein Helsa stieß bei seinen Recherchen auf die Verleihung der Ehrenbürgerrechte an Adolf Hitler im Jahr 1933. Die weitere Suche nach einer Aberkennung in der Nachkriegszeit blieb jedoch erfolglos. Es ist damit davon auszugehen, dass es eine, wenn auch symbolische, Aberkennung nie gegeben hat.

 

Die Presseberichte hatten zum Teil heftige Reaktionen von Lesern zur Folge, die größtenteils eine erneute Bearbeitung der Umstände für nicht erforderlich halten. Viele Kommentartoren fühlten sich beschuldigt und empfinden eine so späte Diskussion zu diesem Thema als überflüssig, - zumal die meisten Akteure der Zeit bereits längst verstorben seien und kein Nachgeborener dafür verantwortlich gemacht werden könne.

 

Sicher könnte man geneigt sein, solche Standpunkte zu vertreten. Allerdings, so meine ich, ist angesichts dieser Reaktionen, die bis zum Vorwurf der „Nestbeschmutzung“ gehen, eine Diskussion mehr als nötig.

 

Sicher stellt es keine Besonderheit dar, dass Helsa Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft angetragen hat. Etwa 4000 Orte in Deutschland verfuhren wohl in gleicher Weise. Und sicher ist formal eine öffentliche Aberkennung nach dem Tod überflüssig, da diese Ehrenbügerrechte nur zu Lebzeiten bestehen.

 

Allerdings hätte eine nachträgliche Aberkennung, wie es die damals selbstständige Gemeinde Wickenrode und viele weitere  Orte in Deutschland taten, nach außen demonstrieren können, dass man sich der Ereignisse des „Dritten Reichs“ bewusst ist und das Verhalten und die Handlungen verurteilt. Sicher wäre dadurch kein Unrecht nachträglich beseitigt worden, es hätte jedoch zur Aufarbeitung der NS-Zeit beigetragen.

 

Solange solche Diskussionen von quasiallergischen Reaktionen begleitet sind, ist meines Erachtens die Befassung mit dem Thema unausweichlich. Die vielfache persönliche Betroffenheit und damit einhergehende Abwehr des Themas ist Beweis für die Notwendigkeit der Behandlung.

 

Ich unterstütze ausdrücklich die lange überfällige Aberkennung der Ehrenbürgerrechte von nationalsozialistischen Vertretern. Wünschenswert wäre allerdings überdies gewesen, dass auch die Ehrenbürgerschaft von Hindenburg posthum aberkannt worden wäre, wie dies in vielen Orten Deutschlands seit 1970 erfolgt ist.

Danke!

 

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